Über Horst Meyer-Selb / Anmerkungen
Persönliche Daten:

Geburtstag: 08. April 1933 in Selb,
Oberfranken/Bayern
- Deutschland -
Todestag: Dezember 2004 in Berlin
- Deutschland -
Grabstätte: Beerdigung am 28. Januar 2005
auf dem Französischen Kirchhof in Berlin-Mitte

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Anmerkungen zum Lebenslauf von Horst Meyer-Selb (1933-2004)

Horst Meyer-Selb ist als Komponist eingetragen in:

Frank/Altmann: Kurzgefaßtes Tonkünstler-Lexikon,
fortgeführt von Bulling, Noetzel, Rösner: Zweiter Teil:
Ergänzungen und Erweiterungen seit 1937, Band 2: L-Z.
15. Aufl., Heinrichshofen's Verlag - Wilhelmshaven,
S. 91 - Meyerowitz:
Meyer, Horst (Pseud. Meyer-Selb) * 8.4.1933 Selb/Ofr.
Stud: MHSch. Weimar (Cilensek),
Komp., lehrte an d. MHSch. Weimar,
jetzt MHSch. Berlin/DDR.
W: Concetino f. Vc u. Orch, KaM, Ldr.


Von seinen Lehrern Professor Heinz Lamann im Klavierspiel und Professor Johann Cilensek in Komposition an der HfM "Franz Liszt" in Weimar unterrichtet, erhielt Horst Meyer-Selb für sein künstlerisches und berufliches Schaffen zahlreiche Auszeichnungen, Medaillen und Ehrungen:


In Gutachten, Beurteilungen und Gesamteinschätzungen sprachen ihm künstlerische und wissenschaftlich anerkannte Persönlichkeiten - wie Kammersänger Dietrich Fischer-Dieskau, die Kammermusiker Immanuel Luccesi und Rudolf Schatz, die Direktoren Dr. Fritsch (Staatliche Ballettschule Berlin) und MD Steinhard (Konservatorium Schwerin), sowie die Professoren Johann Cilensek (Weimar), Hans Rudolf Jung (Weimar), Ewald Koch (Berlin), Klaus Bäßler (Berlin), Martin Dörrie (Hannover) und der Dozent für Gesang Karl-Wilhelm Höck (Berlin) - Lob und höchste Anerkennung aus.


Mit Beginn seiner Berufspraxis, vor allem von 1971 an als Hochschullehrer im Fach Klavier an der Hochschule für Musik "Franz Liszt" in Weimar und danach von 1974 bis zuletzt 2004 an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" in Berlin tätig, stand im Zentrum seiner engagierten Lehrtätigkeit unermüdlich die Vermittlung von klavieristischen Spielfertigkeiten mit besonderem Bezug auf methodische Gesetzmäßigkeiten und musiktheoretische Kenntnisse. Als Mitglied der Abteilungsräte der Abteilung Klavier und der Abteilung Bläser, deren künstlerischer Sekretär er war, als künstlerisch-organistorischer Berater und Betreuer aller Diplomanden der Hochschule und Mitglied der Prüfungskommission, sowie als Leiter des Bereichs Öffentlichkeitsarbeit war er eingebunden in die sehr anspruchsvollen, umfangreichen und vielfältigen organisatorisch-künstlerischen Aufgaben der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" Berlin. Bis zuletzt war er neben seiner Lehrtätigkeit verantwortlich für die Instrumentenbeschaffung, Betreuung und zweckmäßigen Zuordnung in die Unterrichtsräume, die vor allem einen reibungslosen Unterricht garantierte. Keiner Partei zugehörig begründete einzig seine Fähigkeit und Kompetenz als Pianist und Klavierpädagoge seine "Karriere", erwarb er sich als Dozent bei Weiterbildungsveranstaltungen in Musikgeschichte und Tonsatz/Gehörbildung, als "Einstudierer" und Begleiter von Kammermusikwerken und Instrumentalkonzerten Wertschätzung und Respekt aller, die ihn kannten. Für die künstlerischen und musikalischen Hoffnungen und Absichten von Studienbewerbern, Studierenden und Absolventen vorurteillos offen, stand er ihnen hilfreich und unterstützend, auch kritisch zur Seite.


Horst Meyer-Selb trat zeitlebens als Pianist - Solist und Begleiter - und Komponist, dessen Werke - auch mit ihm als Pianisten - vielfach zur Aufführung kamen, in zahlreichen Konzerten, Liederabenden und öffentlichen Veranstaltungen auf.
Ob als Solist - so bedeutender Klavierkonzerte wie das c-moll Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven und das a-moll Klavierkonzert von Robert Schumann - oder als Begleiter bei internationalen Wettbewerben und Rundfunkaufnahmen oder bei Konzertabenden eigener Kompositionen, ob in Weimar: vor Gremien der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten Weimar und des Nationaltheaters Weimar im Franz-Liszt-Haus, bei Kammerkonzerten, Diskussions- und Dozentenkonzerten in der Weimarhalle und Am Palais; ob in Schwerin: bei Aufnahmen des Staatlichen Konservatoriums beim Sender Berlin, Festveranstaltungen, Liederabenden, Dozenten- und Studentenkonzerten; oder in Berlin: als Solist und Begleiter im "Haus des Lehrers", der "Akademie der Künste", im "Apollosaal" der Staatsoper Berlin Unter den Linden, im "Club der Kulturschaffenden 'Johannes R. Becher'", im "Haus der sowjetischen Kultur und Wissenschaft", der "Archenholdsternwarte" in Berlin-Treptow, im "Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft", sowie in den bekannten und beliebten "Rathauskonzerten" in Berlin-Pankow, um nur einige Stationen seines Wirkens zu nennen, zeichneten sein vielseitiges Können, vorzüglich auch das als Hochschullehrer auf höchstem, anspruchsvollstem Niveau aus.
Einige seiner Kompositionen trugen wesentlich zur Schaffung neuer Unterrichtsliteratur und Vortragsstücke für Klavier und andere Instrumente bei, schuf er zyklische Formen neuer Klaviermusik. Erfolgreich demonstrierte er seine neue Unterrichtsliteratur vor Vertretern des Komponistenverbandes der DDR, sowie mit methodischen Erläuterungen vor einer Konferenz der Direktoren der Musikschulen der DDR, so dass eine Auswahl von Klavierstücken in den Unterricht verschiedener Musikschulen, sowohl in der DDR als auch in der BRD, aufgenommen wurde. Konzerte mit ausschließlich seinen Kompositionen fanden unter seiner Mitwirkung als Solist und Begleiter bis zuletzt statt, brachten ihm Anerkennung und Lob.


Stimmen und Kritiken bezeugen in den Jahren von 1954 an bis 2004 immer wieder sein eindrucksvolles Können und seine Meisterschaft als Pianist und Komponist. Überzeugend charakterisiert die stichwortartige Zitatenlese seine eindrucksvolle Persönlichkeit: "... Hervorragend ist der Pianist Horst Meyer ... unbedingte Sauberkeit des Tones ... federleicht im Anschlag ... gutes Stilempfinden ... Farbigkeit des Anschlags ... sein Klavierabend - ein Beleg für ein bedeutendes painistisches Können ... bewundernswert die Flüssigkeit des Spiels und das Gedächtnis des Pianisten ... hervorragende Technik und starker Gestaltungswille ... angenehm berührt seine freie Vortragsweise ... echter Beethovengeist wird wach, wenn er mit Kraft und Temperament das Orchester mit sich reißt oder mit tiefster Innerlichkeit (im Largo) die Hörer in seinen Bann zieht ... Solist des Abends war Horst Meyer. Er trat in dem c-moll Klavierkonzert von L. v. Beethoven als treffsicher gestaltender Interpret hervor ... Horst Meyer (Klasse Professor Heinz Lamann) spielte den Solopart Beethovens c-Moll Klavierkonzert. Der junge Pianist überzeugte durch die ruhige und klare Beherrschung des Klavierteils von seiner musikalischen Intelligenz, seinem gesunden Gefühl für die rhythmischen Werte, das sich besonders in dem äußerst flüssig und bewegt gespielten Rondosatz bewährte. Im Largosatz trat zur geistigen Durchdringung des Gespielten Wärme der Empfindung ....".
Und über den Komponisten heißt es: "... Zu einem der erfreulichsten Ereignisse der Konzertsaison wurde der Abend mit Werken von Horst Meyer-Selb ... das qualitativ beste Werk war zweifellos die Sonatina für Flöte und Klavier ... wir hörten einen ruhigen, verinnerlichten und dunklen zweiten und einen spritzig-burlesken dritten Satz ... mit seinen Liedern zeigte Horst Meyer, dass er die Gattung des zeitgenössischen Kunstliedes zu bereichern wusste ... dass er mit diesen Werken als Sieger hervorging, war eine gute Juryentscheidung ... vielfältiger musikalischer Gehalt beweist das beachtliche Können des Komponisten ... etwas ungewohnte Töne waren zu hören mit den "Bagatellen für Klavier" des zeitgenössischen Komponisten ... wir hoffen, diesem Werk und anderen Kompositionen von Horst Meyer-Selb wieder zu begegnen ...".

(Originaldokumente: Hochschularchiv FRANZ LISZT Weimar)